Natürliche Philosophie

Viele Verantwortliche in der Lebensmittelbranche hielten die Idee schlicht für verrückt:
Hähnchenfleisch aus einem geschlossenen Produktions- und Umweltkreislauf? Ohne Fremdtiere, ohne Fremdfutter und ohne sonstige Fremdlieferanten? Dafür mit allem was dazu gehört: wie eigene Aufzucht in artgerechter Haltung, Fütterung aus eigenem Anbau, bis zur Schaffung eines geschlossenen natürlichen Nährstoffkreislaufs mit eigener Kompost-Düngung?

Das mag zwar für Alm-Bauernhöfe und kleine Familien-Betriebe funktionieren. Doch niemals für Unternehmen, die sich im bundes- oder gar europaweiten Markt für Frischgeflügel behaupten wollen. So dachten vor allem die Marketing-Strategen, die in immer weniger Zeit immer mehr produzieren wollen.

Plamen Stilianov dachte anders. Nicht untypisch für einen Bulgaren, der in der Dobrutscha aufgewachsen ist. Denn viele Menschen aus dieser traditionell landwirtschaftlich, mediterran geprägten Region sind für ihr unabhängiges Denken und ihr willensstarkes Durchsetzungsvermögen bekannt. Erfolgreiches Wirtschaften haben sie im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb von der Pike auf gelernt – mit und neben der planwirtschaftlichen Kontrolle.

Das, womit man in Westeuropa landwirtschaftliche Betriebe mit Güte-Siegeln zu Recht auszeichnet, war für Plamen Stilianov nichts anderes als praktische Notwendigkeit. Und speziell, wie man die Mittel der Natur für die traditionelle Kunst der Hähnchenhaltung nutzt, hat er über 25 Jahre einfach umgesetzt.


Ein vorbildlicher Weg …

Fragen Sie moderne Landwirte nach ihren Vorbildern, werden Sie oft den Namen Albrecht Daniel Thaer hören.
Gemessen an der Qualität als Vordenker und Lenker, ist wohl kaum ein besseres Landwirtschafts-Idol zu finden.
Albrecht Daniel Thaer (1752 - 1828) schaffte mit den „Grundsätzen der rationellen Landwirtschaft“ das erste agrarwissenschaftliche Standardwerk nach ökonomischen Prinzipien, das in nahezu alle europäischen Sprachen übersetzt wurde.

Der Begründer der deutschen Agrarwissenschaft galt jedoch als ebenso begabter wie überzeugender Agrar-Philosoph, der bereits vor 200 Jahren über nachhaltige Landwirtschaft mit geschlossenen Nährstoffkreisläufen nachdachte.
Viele Organisationen des ökologischen Landbaus sind aus dem theoretischen Erbe dieses vielleicht ersten Umwelt-Philosophen buchstäblich gewachsen.

Und auch Plamen Stilianov ließ sich von Thaers Werken, von dessen landwirtschaftlicher Leidenschaft faszinieren und inspirieren.
Er adaptierte Albrecht Daniel Thaers Theorien mit den modernen Ansprüchen an die besonders umwelt- und Ressourcen schonende Form der Landwirtschaft. Das Ergebnis, ist die KAISERMÜHLE 5-Punkte-Philosophie:

1. Geschlossener Produktionskreislauf bedeutet, …
… das Ackerbau und Tierhaltung bzw. -zucht als „harmonisches Miteinander“ betrieben werden. Man nutzt die eigens angebauten Futterpflanzen für die eigene Tierhaltung. Pflanzliche Reste und der tierische Dung werden frisch oder kompostiert auf die Ackerflächen zurückgeführt.

2. Artgerechte Tierhaltung bedeutet, …
… dass die Tiere entsprechend ihren natürlichen Bedürfnissen (wie Nahrungsaufnahme, Entwicklung, Bewegung) das oft zitierte glückliche Leben leben. Die Haltung darf keine körperlichen oder psychischen Schäden beim Tier verursachen. Auf den Punkt gebracht, ist die artgerechte Haltung die alternative Antwort auf die industrielle Massentierhaltung. Artgerechte Fütterung bedeutet, ganz natürlich: kein Tiermehl.

3. Natürliches Wachstum: Aktiver Pflanzenschutz bedeutet, …
… dass auf die chemisch-synthetische Keule zugunsten des präventiven Pflanzenschutzes so weit wie möglich verzichtet wird. Der kluge Bauer beugt vor und stärkt die pflanzeneigenen Abwehrkräfte und die natürlichen Regulierungs-Mechanismen. Zum Beispiel durch Förderung von Nützlingen, eine dem Standort entsprechende Arten- und Sortenwahl, zeitgerechte Bodenbearbeitung und natürliche Düngung.
Unerwünschte Beipflanzen vermeiden wir weitgehend durch die sorgfältige Bodenbearbeitung und die landwirtschaftlich sinnvolle Fruchtfolge – u.a. im Wechsel von Mais und Sonnenblume:
Statt den Boden über monukulturellen Anbau auszulaugen, sorgt der Wechselanbau geeigneter Pflanzen zu einem fruchtbaren Auf- und Abbau der im Boden enthaltenen Nähr- und Mineralstoffe. Über die unterschiedlichen Verwurzelungen und das Mehr an Mikroorganismen wie Kleinlebewesen lebt der Boden und damit die unmittelbare Umwelt immer mehr auf.

4. Von Grund auf gesund: Fruchtbarer Boden bedeutet, …
… die Bodenfruchtbarkeit erhalten und zu steigern. So gelten die angebauten Pflanzen auch als Ernährer und Pfleger des Bodens, auf dem sie wachsen und gedeihen. Der fruchtbare, gesunde Boden bildet das erste Glied der Wirkungskette über die gesunde (Futter)Pflanze zum gesunden Tier und zum natürlich gesunden Genuss-Lebensmittel für den Menschen. Darüber hinaus soll der fruchtbare Boden den nachfolgenden Generationen als Produktionsgrundlage erhalten bleiben.

5. Verzicht auf Gentechnik, bedeutet, …
… dass der Einsatz von genmanipulierten Organismen absolut tabu ist.
Schon deshalb, weil Lebewesen in der Gentechnik nicht als Teile eines lebendige Systems definiert sind, sondern als Einheiten, die man beliebige Bausteine zerlegt.
Wir betrachten jedoch das lebendige (Öko)System im Ganzen, in allen unbestreitbaren Wechselbeziehungen unter den Organismen und der Umwelt. So kann – aus unserer Sicht – die Erzeugung und Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen keine nachhaltige, zukunftsweisende Technologie darstellen.

Von der ersten Veröffentlichung der „Idee KAISERMÜHLE“ hat es bis zur Umsetzung – als einzigartigem Betrieb der Branche mit geschlossenem Produktionskreislauf in Europa – 12 Jahre gebraucht. Dazu viel Herz, Hand und Verstand und das Glück mit den richtigen Menschen zur richtigen Zeit das Richtige zu tun.

Mit der Umsetzung der traditionellen Prinzipien zum geschlossenen Produktions- und Umweltkreislauf auf höchstem technischen Niveau hat der Weg der Marke KAISERMÜHLE sein erstes großes Ziel erreicht. Nun geht es mit großen Schritten weiter in Richtung der EU-Ökoverordnung. Doch die Erfüllung aller Vorgaben will KAISERMÜHLE nicht nur erreichen, sondern darüber hinaus gehen. Der selbst produzierte, organische Dünger, mit dem der KAISERMÜHLE-Chef Plamen Stilianov so bald wie möglich den künstlichen Dünger vollkommen ersetzen will, ist dafür nur ein Beispiel …

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